Steirisches Bündnis gegen Depression

Das "Nürnberger Bündnis gegen Depression" wurde 2001 mit dem Ziel initiiert, die Versorgungssituation depressiv erkrankter Menschen auf unterschiedlichen Ebenen des Versorgungssystems zu optimieren. Über eine wissenschaftliche Begleitevaluation konnte nachgewiesen werden, dass im Interventionszeitraum insbesondere Suizidversuche in der Projektregion Nürnberg um rund 20% zurückgingen.

​Aufgrund dieser überaus positiven Erfahrungen entstand 2002 das "Deutsche Bündnis gegen Depression", in dem sich zahlreiche deutschsprachige Regionen gruppierten.
Seit 2004 wird das Konzept des "Bündnisses gegen Depression" mit Unterstützung der Europäischen Kommission auch in der "European Alliance Against Depression (EAAD)" in Kooperation mit 20 Partnern aus 18 europäischen Ländern international umgesetzt (www.eaad.net).

Österreich startete seine Aktivitäten ebenfalls im Jahr 2004; als erstes österreichisches Bundesland engagierte sich Tirol, die Steiermark beteiligt sich seit 2006, Wien und Niederösterreich seit 2007 am Projekt und auch die Ausweitung auf weitere Bundesländer ist erwünscht und geplant. Ziel des EAAD-Netzwerkes ist die Bündelung gleichgerichteter Aktivitäten zur Verbesserung der Versorgung depressiv erkrankter Menschen.
Grundlage des Projektes ist das Bewusstsein, dass depressive Erkrankungen im Steigen begriffen sind. Nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören depressive Erkrankungen zu den häufigsten Krankheiten weltweit. Ihr Anteil wird voraussichtlich noch weiter steigen. Für das Jahr 2020 prognostiziert die WHO, dass Depressionen auf Platz zwei der größten Gesundheitsprobleme liegen werden.
Derzeit leiden Berechnungen zufolge weltweit mehr als 120 Millionen Menschen an Depressionen. Bezogen auf die Steiermark bedeutet das eine Betroffenenquote von rund 59.000 Menschen (5 % der Bevölkerung), welche an einer behandlungsbedürftigen Depression leidet.

Als problematisch erweist sich dabei auch die Tatsache, dass das Vorliegen einer Depression oft nicht erkannt wird – sowohl von den Betroffenen selbst als auch von HausärztInnen - und das obwohl bis zu 25 Prozent aller PatientInnen, die AllgemeinmedizinerInnen aufsuchen, an einer Depression leiden. Oftmals treten körperliche Symptome – etwa Herzbeschwerden, Kopf- oder Rückenschmerzen – derart in den Vordergrund, dass den sich dahinter verbergenden psychischen Beschwerden keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die PatientInnen werden dann hinsichtlich ihrer körperlichen Beschwerden behandelt, die Depression wird nicht erkannt. Aufgrund dieser Defizite in der Diagnostik und Behandlung erhalten viele Betroffene keine adäquate Therapie. In vielen Fällen wird die richtige Diagnose einer depressiven Erkrankung viel zu spät gestellt. Experten gehen davon aus, dass PatientInnen mit psychischen Erkrankungen erst nach Jahren adäquate Diagnostik und Behandlung erhalten.

Mit der Gründung des Steirischen Bündnisses gegen Depression soll die Diagnose und Behandlung depressiv erkrankter Menschen in der Steiermark verbessert werden, eine Veränderung des Bewusstseins in der Öffentlichkeit und Fachwelt gegenüber dieser häufigen und ernsthaften Erkrankung - somit auch eine Entstigmatisierung Betroffener - und in weiterer Folge auch eine Vermeidung von Suiziden und Suizidversuchen erreicht werden.

Seit dem Frühjahr 2006 werden steiermarkweit Informationsveranstaltungen durchgeführt. Aufklärungs- und Fortbildungsprogramme sind geplant.
Für die regionale Projektorganisation zeichnet die Psychiatriekoordinationsstelle im Gesundheitsfonds Steiermark.
Nähere Informationen unter www.buendnis-depression.at sowie der European Alliance Against Depression (EAAD).