Polizei Aus- und Fortbildung zum Umgang mit Menschen in Krisensituationen

Stationäre psychiatrische Einrichtungen sind – soweit sie einen öffentlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen haben – mit einer hohen Zahl sogenannter „Zwangs-Einweisungen“ konfrontiert. Jedes Jahr werden steiermarkweit rund 3.500 Patienten nach den Bestimmungen des Unterbringungsgesetzes (UbG) eingewiesen.

​Dadurch ergibt sich eine regelmäßige Schnittstelle zwischen der Arbeit der BeamtInnen der Sicherheitsexekutive und jener der stationären psychiatrischen Krankenhäuser, die aufgrund ihres Versorgungsauftrages Personen soferne nötig auch „gegen ihren Willen" zu versorgen haben, aber auch zu den regionalen psychosozialen Beratungsstellen.
Dieses Nebeneinander mehrerer jeweils für sich klar strukturierter und funktionierender Apparate erfordert ein klares Schnittstellenmanagement sowie mehr Information und Aufklärung über das sozialpsychiatrische Versorgungsangebot.

Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum der Sicherheitsexekutive (BZS) à Link sowie der Sicherheitsakademie des Bundes (SIAK) à Link ist jenes Kooperationsprojekt zustande gekommen, das es ermöglicht, BeamtInnen der Sicherheitsexekutive kontinuierlich im Rahmen von Grundausbildung bzw. berufsbegleitender Fortbildung über psychiatrische Erkrankungen zu informieren und zum Umgang mit Menschen in Krisensituationen – und als solche ist jede Situation zu werten, in welcher ein Mensch gegen seinen Willen in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert wird – zu sensibilisieren, indem v.a. auch über die den PolizeibeamtInnen in der täglichen Arbeit begegnenden Phänomene diskutiert wird.
Das Projekt wird seit 2004 mit großem Erfolg im Bereich der berufsbegleitenden Fortbildung und seit 2008 im Bereich der Ausbildung, durchgeführt und evaluiert. Die Ergebnisse zeigen das vorhandene Bedürfnis der Exekutivbeamten nach Information und Schulung in diesem sensiblen Wirkungsbereich.

Seit werden den Schulungen Betroffene zugezogen, die im Zuge ihrer Krankheit selbst Kontakte mit der Sicherheitsexekutive hatten; seit 2008 ist auch die Angehörigenvertretung HPE in die Schulungen eingebunden.

In einem „Leitfaden zum Umgang mit Menschen in psychosozialen und psychiatrischen Krisensituationen" wird ergänzend Information zur Struktur des stationären, sowie des vielfach noch weniger bekannten außerstationären Angebotes gegeben; es werden Krankheitsbilder beschrieben sowie Fallbeispiele anführt, welche im Nachhinein im Sinne eines Nachschlagewerkes zur Verfügung stehen – all das bewusst in einer für den Nicht-Psychiater geeigneten Sprache.