Alterspsychiatrische Angebote

Aufgrund der demographischen Entwicklung müssen wir uns auf eine sukzessive wachsende Zahl alter Menschen einstellen und mit einem angemessenen Angebotsspektrum auch auf dem Gebiet der psychosozialen Versorgung reagieren.

​Sind es heute in Österreich bereits über 20%, so werden um 2035 bereits rund 35% der Gesellschaft der Gruppe sog. "alter Menschen" angehören. Gleichzeitig damit steigt auch die Zahl der Menschen mit psychischen Problemen in diesem Lebensabschnitt, denn laut Schätzungen leiden 25 - 30% der Menschen über 60 Jahren unter einer psychischen Störung; von diesen benötigen wiederum rund ein Viertel einer psychiatrischen Behandlung. Unter den häufigsten Diagnosen sind Demenzerkrankungen, gefolgt von depressiven Störungen und schizophrenen Psychosen.

Damit kommt auch auf die psychosoziale/sozialpsychiatrische Versorgung eine große Aufgabe zu, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass familiäre Unterstützungsstrukturen in Zukunft immer dünner gesät und dem zufolge alternative Versorgungs- und Unterstützungsstrukturen unumgänglich sein werden. In der Behandlung und Betreuung alter Menschen ist es ebenso wichtig wie beim jungen oder erwachsenen Menschen, nicht nur das Symptom, sondern - im Sinne des bio-psycho-sozialen Modells - den Menschen in seiner Ganzheit ins Zentrum der Bemühungen zu stellen.
  
Für die stationäre alterspsychiatrische Versorgung steht in der Landesnervenklinik Sigmund Freud (LSF) eine Abteilung für Alterspsychiatrie zur Verfügung.
Ambulant zeigt sich, dass zwar prinzipiell viele Hilfsangebote vorhanden sind, um den Bedarfen und Bedürfnissen alter Menschen gerecht zu werden, der überwiegende Anteil widmet sich dabei aber somatischen Belangen und kaum psychischen/psychiatrischen Problemstellungen; die Herausforderung v.a. für die psychosozialen Versorger besteht aber in dem vom Betroffenen allein nicht mehr zu bewerkstelligenden hohen Koordinationsaufwand zwischen den einzelnen Hilfsangeboten. Hier bietet sich vor allem der so genannte erweiterte Case Management-Ansatz als bewährter Weg, um die Aufgaben und Abläufe aller an der Patientenversorgung beteiligten Professionisten zu koordinieren und damit die Leistung möglichst effizient zu erbringen sowie ergänzend auch noch die unerlässliche Vernetzung mit dem informellen Hilfssystem, wie der Familie, Freunden, den Nachbarn, usw. herzustellen.

Ziel sollte es sein - wie in allen Bereichen der sozialpsychiatrischen Versorgung - so lange als sinnvoll eine Übersiedelung ins Pflegeheim hinauszuzögern und dem Betroffenen seine Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit zu erhalten. Um das zu ermöglichen, müssen viele Maßnahmen gesetzt, Rahmenbedingungen geschaffen und koordiniert werden, die auch für den alten Menschen ein Leben in höchstmöglicher Lebensqualität zu Hause garantieren und sich dabei auch noch als wesentlich kostengünstiger erweisen, als jede Variante einer stationären Unterbringung. Neben dem "brookering" - muss aber v.a. auch der Beziehungskomponente in Form einer durchgehenden Bezugsperson, im Interesse der Einsamkeitsprophylaxe Rechnung getragen werden.

Graz:
Im Raum Graz steht die Mobile gerontopsychiatrische Assistenz (SOPHA) für die Betreuung von alten Menschen mit komplexen sozialpsychiatrischen Bedürfnissen zur Verfügung. Neben der Verbesserung des medizinischen, psychischen, sozialen und funktionalen Status steht vor allem auch die Schaffung eines formellen und informellen Netzwerkes bzw. dessen Entlastung im Zentrum der Bemühungen, was zu einer Stabilisierung gerontopsychiatrisch Erkrankter und damit zum Erhalt der außerstationären Wohnfähigkeit beitragen soll.
Mit demselben Fokus arbeitet das Gerontopsychiatrische Zentrum (GPZ) als Anlaufstelle für medizinische Abklärungen, Beratung und Entlastung für Erkrankte sowie deren Angehörige.


Weitere Anlaufstellen in Graz:

Leibnitz:

Deutschlandsberg:

Murau: